Barrierefreiheit im öffentlichen Raum - Planung, Beratung, Information
 
Bodenindikatoren

> Die Sprache der Bodenindikatoren

> Maße für Rippen- und Noppenplatten (gemäß DIN 32984:2020-12)

> Zur Neufassung 2020 der DIN 32984

Bodenindikatoren helfen blinden und sehbehinderten Menschen bei der Orientierung. Sie lassen sich mit dem Langstock ertasten, z.T. auch mit den Füßen. Zunächst dienen natürliche Merkmale der Orientierung, Mauern, Oberflächenwechsel oder Bordsteine. Wo diese fehlen, sind besondere Bodenindikatoren einzubauen. Die DIN 32984 Bodenindikatoren im öffentlichen Raum regelt ihre Form und Anordnung. Die Norm von Oktober 2011 setzte gegenüber der Vorläufernorm völlig neue Vorgaben. Im Dezember 2020 erschien jetzt eine Neufassung.

Leitsystem im Hauptbahnhof Frankfurt. Leitstreifen entlang des Querbahnsteigs in doppelter Breite, Abzweigefeld in Richtung der abzweigenden Leitlinie verrückt. Die Rippen entsprechen nicht mehr der DIN 32984.

Für die Form der Bodenindikatoren sind zwei Typen vorgesehen: Noppen- und Rippenplatten. Es können aber auch andere Platten eingesetzt werden, z.B. Rautenplatten für Abzweigefelder oder Klang- und Hohlköperplatten. Deutschland folgt mit der Konzentration auf zwei Plattentypen (Noppe und Rippe) der internationalen Entwicklung. Es gibt aber auch andere Systeme, z.B. mit sechs Bodenindikatoren in Großbritannien oder der Beschränkung auf Rippen in der Schweiz.
Querungsstelle im Leitsystem am Bahnhof Herborn. Der Bereich um die Bodenindikatoren wurde für die taktile Wahrnehmbarkeit mit glatten Platten belegt.

Um die im Verkehrsraum notwendigen komplexen Informationen geben zu können, kommt es bei der Verlegung auf die genaue Anordnung und Zuordnung der Bodenindikatoren an. In der DIN 32984 werden die Felder mit Bodenindikatoren demgemäß nach ihrer Funktion benannt und jeweils Rippen- oder Noppenplatten zugeordnet. Dabei bedeuten Rippenplatten immer, dass man in Rippenrichtung gehen kann, im Einzelfall kann damit aber auch auf seitlich gelegene Ziele hingewiesen werden.
Auch mit sehr unterschiedlichen Stockspitzen müssen Bodenindikatoren erkennbar sein.

Noppenplatten signalisieren: Vorsicht! oder Neuorientierung erforderlich!
 
Grundsätzlich sollen Bodenindikatoren im Außenraum so verlegt werden, dass die Struktur über den Umgebungsbelag hinausragt (talbündige Verlegung). Sie können dann besser ertastet werden, auch mit den Füßen. Dreck und Wasser sammeln sich nicht so stark zwischen den Strukturen, auch die Glatteisgefahr ist dadurch geringer.
Auffindestreifen mit Noppen für Querungsstelle mit integriertem Richtungsfeld.


Bodenindikatoren sind nur ertastbar, wenn sie sich von ihrem Umfeld deutlich abheben. Das gilt selbstverständlich für den taktilen Kontrast, der mit den Füßen, v.a. aber mit dem Langstock ertastet werden muss. Auf jeden Fall ist gefastes Pflaster direkt daneben zu vermeiden. Die taktil kontrastierende Fläche, z.B. ein Begleitstreifen, muss mindestens 60 cm breit sein.
Leitsystem über Platz mit Busbahnhof in Frankfurt.

Auch ein optischen Kontrast ist erfor-derlich, da viele Sehbehinderte sich vorwiegend noch optisch orientieren. Hierfür reicht ein schmalerer Kontrast-streifen aus, die DIN 32984 fordert 30 cm. Der Mindestwert für den Leucht-dichtekontrast und das Berechnungs- und Messverfahren wird in der DIN 32984 und der DIN 32975 detailliert beschrieben. Der optische Kontrast kann auch innerhalb eines Leitstreifens - durch nebeneinander liegende helle und dunkle Bodenindikatoren - erreicht werden. 
Der visuelle Kontrast kann auch innerhalb des Leitstreifens hergestellt werden, Der taktile Begleitstreifen bietet ausreichend Kontrast, ist aber nur wenig sichtbar.

In einigen Bundesländern gibt es im Detail abweichende Regelungen. In Berlin werden (außer im Zuständig-keitsbereich der Bahn) grundsätzlich keine Noppenplatten verlegt. Für Hessen gilt neben der DIN 32984 der Leitfaden Unbehinderte Mobilität, ergänzt durch den Evaluationsbericht von 2010 Unbehinderte Mobilität, Erfahrungen und Untersuchungen, für Nordrhein-Westfalen der Leitfaden 2012 Barrierefreiheit im Straßenraum. Beide unterscheiden sich nur wenig von der DIN 32984.
Ein verkürzter Auffindestreifen zeigt die Lage der ungesicherten Überquerungsstelle an.

Die Abweichungen sind mit den regionalen Blindenverbänden abgestimmt:
In Nordrheinwestfalen werden Einstiegsfelder gemäß Leitfaden von Straßen.NRW mit Noppen statt Rippen angezeigt, damit das Einstiegfeld vom hinführenden Auffindestreifen zu unterscheiden ist, ähnlich verfahren einige Städte in Sachsen.
Ein verkürzter Auffindestreifen weist auf diese 'ungesicherte' Querung hin.

In Hessen wurde die Unterscheidung zwischen durch Ampel oder Zebrastreifen 'gesicherten' und 'ungesicherten' Querungsstellen oft nicht angewandt, da es für Blinde ohne Auffindestreifen schwierig ist, ihren Querungsbereich zu finden. Die Neufassung der DIN ermöglicht hier einen verkürzten Auffindestreifen.
 
Zur Neufassung der DIN 32984 Bodenindikatoren im öffentlichen Raum siehe unter Regelwerke
Bahnhof Mörfelden. Neben den Leitstreifen wird für den optischen Kontrast ein Begleitstreifen verlegt.

U-Bahn Leipzig: Bodenindikatoren führen zur Treppe, auf die Rolltreppe weist ein Abzweigefeld hin.